Ältere Menschen in der Pandemie

Ältere Menschen in der Pandemie

Zukunftsforscher: „Die größte Armut im Alter wird die Kontaktarmut sein“ Artikel aus dem "Stern" vom 29.04.2021. Isolation, Kontaktsperre oder Quarantäne: Besonders ältere Menschen leiden unter der Einsamkeit in der Pandemie. Schon vor Corona haben viele Senioren einsam gelebt. Jetzt meidet man sie sogar - aus Rücksichtnahme - in der Öffentlichkeit. Forscher warnen vor der Kontaktarmut. Aber es gibt Möglichkeiten zur Hilfe.

Quartiersarbeit in der Mitterfeldstraße mit Hilfe von Kooperationspartner

Das Quartiersbüro Mitterfeldstraße, gefördert durch die Landeshauptstadt München.

Die Stiftung Kath. Familien- und Altenpflegewerk ist seit dem Beginn der Pandemie aktiv, um die Bewohnenden des Quartiers nicht allein zu lassen. Neben der Möglichkeit des Telefontreffs „Froh-Sinn“ werden, neben der individuellen Beratung und Unterstützung kurzweilige attraktive Veranstaltungen im Quartier geboten. Kulturgeragogische Projekte, wie „Kunst zeigt Gemeinschaft“ mit einer Kunsttherapeutin oder Kulturspektakel mit Stelzenläufer oder Innenhofkonzerte unter freiem Himmel. Es hat sich gezeigt wie vielfältig trotz und obwohl Corona gegen Einsamkeit vorgebeugt werden kann. Lächeln gezaubert, Hemmschwellen abgebaut  
Nur mit den vielfältigen KooperationpartnerInnen, dem sozialen Engagement der Stadt München und den engagierten Mitarbeitenden von Vereinen und Institutionen gelingt der „bunte Blumenstrauß“ gegen Vereinsamung und Isolierung. Daher danken wir hier mal allen, die fürsorgend unsere Quartierbewohnenden nicht allein lassen:

Gesellschaft der Altersfreunde e.V.
Sozialbürgerhaus Pasing - Landeshauptstadt München
Bezirksausschuss 21 Pasing Obermenzing
Seniorenbeirat der Landeshauptstadt München
Gerontopsychiatrischer Dienst (GPDI) München-West
Sozialer Mittagstisch
YEHUDI MENUHIN Live Music Now München - e.V.
Marianne Strauß Stiftung
Stiftung Antenne Bayern hilft
Kultur im Quadrat, Die Färberei

 

Kulturreferat - Landeshauptstadt München
Johanniter-Unfall-Hilfe
foolpool GbR
Faszination-Feuershow IG
Hospizdienst DaSein e.V.
Palliativteam München West e.V.
Gesundheitsladen München e.V. und Patientenstelle
Evangelisches Bildungswerk München e.V.
Willkommen bei Freifunk München
Marion von Tessin Memory-Zentrum gGmbH

 

Hallo München, der Wochenanzeiger und die Süddeutsche Zeitung, die über unsere Arbeit berichten.

Und nicht zu vergessen, im Zentrum des Quartiers die Stiftung Katholisches Familien- und Altenpflegewerk mit all‘ ihren Einsatzbereichen und Mitarbeitenden.
 
P.S:  Wer in dieser Aufzählung vergessen wurde bitte melden, dann gibt es einen Sonderartikel und Interview auf unserer Seite „Aktuelles“.

 

Weiter geht's mit dem Artikel aus dem "Stern" und weiteren Tipps, wo man Hilfe bekommen kann.

Wie oft kommt es in letzter Zeit vor, dass Sie von älteren Menschen auf der Straße angesprochen werden? Ein kurzer Stopp mit dem Rollator, ein kleiner Plausch: Man kann förmlich spüren, wie sehr ältere Menschen derzeit den Kontakt suchen. Denn sie sind die wirklichen Verlierer der #wirbleibenzuhause-Kampagne. Viele Senioren sind auch ohne Pandemie in ihren eigenen Wohnungen isoliert und leben in Einsamkeit. Hinzukommt, dass Freizeitaktivitäten, die normalerweise angeboten werden, nicht stattfinden. Videotelefonie, soziale Medien oder das Internet sind für ältere Menschen oft auch nur mit Hilfestellung machbar.

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski warnt vor einer dramatischen Zunahme der Einsamkeit. „Die Pandemie droht zur Epidemie der Einsamkeit zu werden. Seit den „Bleib-zu-Hause“-Empfehlungen der Politik wohnen und leben immer mehr Menschen in Deutschland „allein daheim““, erklärt Opaschowski. Er hat eine repräsentative Umfrage erstellt und dabei herausgefunden, dass die Angst vor Vereinsamung genauso groß ist wie die Angst vor Altersarmut. Die langfristigen Folgen dieser Kontaktarmut machen Opaschowski Sorgen. In seinem Buch "Die semiglückliche Gesellschaft" spricht er darüber, was älteren Menschen, die allein leben, auf der Seele liegt: Weniger soziale Kontakte, keine Arbeitskollegen mehr oder Anerkennung im Job. Das führe fließend in Despressionen und psychische Erkrankungen. Ein trauriger Lebensabend.

Die Bundespsychotherapeutenkammer hatte bereits im August auf diese Gefahr hingewiesen. „Neben Depressionen und Angststörungen, akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen können auch Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Zwangsstörungen und Psychosen zunehmen“, erklärte Kammerpräsident Dietrich Munz. Ältere zählten zu den am stärksten betroffenen Gruppen.

Wer kann helfen?

Grundsätzlich kann jeder helfen, denn eigentlich kennt jeder einen älteren, alleinlebenden Menschen in seinem Umfeld. Ein freundliches Wort mit Abstand oder ein Hilfsangebot beim Haushalt oder Einkaufen reichen oft schon aus. Viele Senioren sind auch längst geimpft. Dennoch gelten immer noch Kontaktbeschränkungen. Und manche Kontakte sind auch durch über ein Jahr Pandemie eingeschlafen. Viele Angebote für Senioren finden nicht mehr statt, weil Einrichtungen geschlossen sind. Doch es gibt Möglichkeiten aus der Einsamkeit. Wir haben Projekte, Vereine und Initiative für einsame Senioren gesammelt.

Silbernetz: Gemeinsam gegen Einsamkeit im Alter

Silbernetz ist ein Hilfs- und Kontaktangebot für ältere Menschen in Deutschland. Senioren können anonym Kontakt aufnehmen und so Kontakte knüpfen und dann auch wieder an Angeboten in ihrem Umfeld oder Nachbarschaft teilnehmen. Zunächst in Berlin aufgebaut und erprobt ist es seit dem 16. März 2020 bundesweit erreichbar. Die kostenfreie Rufnummer 0800 4 70 80 90 des Silbertelefons ist für Anrufer*innen aus ganz Deutschland erreichbar, vorerst von 08:00 bis 22:00 Uhr.

Wissensdurstig

Wissensdurstig.de ist ein Angebot der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.). Hier finden Senioren Unterstützung bei allem rund um Digitalisierung. Hier werden ältere Menschen mit Anbietern von Veranstaltungen und Kursen in Kontakt gebracht. Hier können ältere Menschen lernen, wie man Sprachnachrichten verschickt oder wie Videotelefonie funktioniert.

Freunde alter Menschen e.V. (famev)

Freunde alter Menschen e.V. ist ein Verein, der Besuchspatenschaften organisiert. Außerdem setzt sich der Verein für die Belebung der Nachbarschaft ein und organisiert Veranstaltungen für Senioren. Tätig ist der Verein in Frankfurt a.M., Hamburg, Berlin und Köln. Freiwillige werden immer gesucht.

Im Alter in FORM

Ebenfalls ein Projekt der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.) ist Im Alter in Form. Wie bewege ich mich genug im Alter, wie kann ich mich vor Stürzen schützen, welche Ernährung ist richtig: das sind nur einige Fragen, die das Projekt bearbeitet. Über die gezielte Ansprache sollen Senioren motiviert werden, wieder aktiver zu werden und vielleicht sogar an Sportangeboten in der Umgebung teilzunehmen.

Wege aus der Einsamkeit e.V.

Alter soll Glück sein, ist das Credo von Wege aus der Einsamkeit e.V. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, älteren Menschen aus der Isolation zu helfen und so einen schönen Lebensabend zu bescheren. Dabei setzt das Projekt auf Teilhabe der Senioren an Internetangeboten oder gemeinsame Ausflüge.
Unterstützt wird der Verein von der Deutschen Telekom. Während der Pandemie hat das Unternehmen unter anderem kostenlose Smartphones für Senior:innen zur Verfügung gestellt. Aber auch an anderer Stelle setzt sich die Deutsche Telekom ein. Ganz aktuell mit der Aktion „Unser Platz für Eure Hilfe“. Die Telekom stellt insgesamt über 1.000 Werbeplätze in TV, Radio und Zeitungen sowie in Online-Medien und auf Außenflächen für gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel Wege aus der Einsamkeit e.V. zur Verfügung.                                                                                                                 

Foto: pexels Harun Tan